MERKwürdiges und DENKwürdiges aus dem Ruhrgebiet

Mal eben nach Berlin

Ein verlängertes Wochenende in Berlin, das war längst mal wieder fällig. Wir waren zuletzt 2003 in der Bundeshauptstadt, hatten damals aber weder den Potsdamer Platz noch andere für das moderne Berlin wichtige Bauwerke und Örtlichkeiten besuchen können. In Erinnerung geblieben waren die Museumsinsel und das Regierungsviertel mit dem Bundeskanzleramt anläßlich einer Spreerundfahrt bei strahlendem Sonnenschein. Mit dem Bau des Holocaust-Mahnmals wurde 2003 gerade begonnen und Kräne und Baustellen bestimmten das Stadtbild der Mitte Berlins.

Berliner Dom

Berliner Dom

Inzwischen sind der Berliner Hauptbahnhof und andere für die Infrastruktur wichtige Verkehrseinrichtungen fertiggestellt und S- und U-Bahnen der ehemals geteilten Stadt bringen den Besucher in kürzester Zeit an jeden Ort der 3,5 Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Deutschlands. Parkraum ist knapp und teuer und das eigene Auto sollte nur noch zur Hin- und Rückreise bewegt werden.

Blick vom Park Inn Hotel am Alexanderplatz

Blick vom Park Inn Hotel am Alexanderplatz

Ausgerüstet mit einem kostengünstigen Vierer-Ticket machen wir uns auf den Weg zum Alexanderplatz. Die U-Bahnen rollen im Minutentakt und schon sind wir auf dem meistbesuchten Platz Berlins, dem „Alex“, wie die Berliner sagen. Weltzeituhr und Brunnen der Völkerfreundschaft sind die markanten Punkte des Platzes, überragt vom Berliner Fernsehturm und bestimmt von der Glasfassade des Park Inn Hotels. Die Dachterasse im 37. Stockwerk dieses Hotels gehört zu den höchsten Aussichtspunkten Berlins, von hier aus hat man in unmittelbarer Nähe des Fernsehturms einen fantastischen Ausblick auf den Potsdamer Platz, die Museumsinsel, den Reichstag und die Gedächtniskirche. Wir genießen den atemberaubenden Ausblick und suchen im Häusergewirr den ehemaligen Verlauf der Mauer auszumachen.

Neptunbrunnen

Neptunbrunnen

Auf dem Weg zum Nikolaiviertel liegt die evangelische Marienkirche, die älteste noch genutzte Pfarrkirche in der historischen Mitte Berlins. Sehenswert sind die Orgel, das Taufbecken, die Alabasterkanzel und das Totentanzfresko in der Turmhalle der Kirche. Auf der Freifläche zwischen Marienkirche und dem Roten Rathaus steht der Neptunbrunnen mit dem antiken Meeresgott Neptun, der als Zeichen seiner Macht den Dreizack an seine rechte Schulter lehnt, umgeben von allegorischen Darstellungen in Tier- und Menschenform. Das Rote Rathaus, auffällig durch seinen ungewöhnlichen Baustil (Neo-Renaissancestil) und seine rote Backsteinfarbe, ist seit der Wende Sitz des Regierenden Bürgermeisters sowie des Senats von Berlin.

Nikolaikirche Portal

Nikolaikirche Portal

Das Nikolaiviertel präsentiert sich als eine Art Freilichtmuseum des alten Berlin mit zahlreichen Cafés, Restaurants, Boutiquen und Andenkenläden. Die charakteristische Doppelturmfassade der Nikolaikirche stammt aus dem Jahre 1878, das Grundgebäude aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Viele der historischen Gebäude sind Rekonstruktionen von Bürgerhäusern, die ursprünglich einen anderen Standort aufwiesen. Im Nikolaiquartier findet sich auch ein Zille-Museum und nicht unweit davon eine Skulptur des „Pinselheinrichs“. Weiter geht es die Spree entlang zur East Side Gallery. An der Jannowitzbrücke lädt ein idyllischer Biergarten zum Verweilen ein. Da plötzlich ein wolkenbruchartiger Regen einsetzt, fahren wir das letzte Stück bis zum Ostbahnhof mit der S-Bahn.

East Side Gallery

East Side Gallery

Die East Side Gallery ist das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer. 1990 wurden die Mauerelemente entlang der Mühlenstraße zwischen Ostbahnhof und Oberbaumbrücke von internationalen Künstlern bemalt oder in anderer Weise künstlerisch mit einer Vielzahl zeitbezogener Motive gestaltet. Die am häufigsten reproduzierten Arbeiten sind u.a. der „Bruderkuss“ von Dimitri W. Wrubel, der mauerbrechende Trabbi von Birgit Kinder und die bunten Köpfe des Franzosen Thierry Noir, der seine Kreationen inzwischen als Aufdrucke auf T-Shirts und Andenkenartikel direkt am Ort vermarktet. Zwischenzeitlich hat wiederholt eine Restaurierung der Arbeiten stattgefunden, da Witterungseinflüsse und vor allem Graffitis die Werke beschädigt hatten. Neuerdings gibt es eine Auseinandersetzung um einen 120 Meter breiten Hotelkomplex im ehemaligen Todesstreifen direkt am Spreeufer, für den 30 Meter der Gallery nach den Plänen des Senats abgrissen werden sollen. In einem Aufruf auf der Website der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V. heißt es:

Die Künstler, die 1990 hier ein einzigartiges Welterbe geschaffen haben, verurteilen dieses Vorgehen auf das Entschiedenste und fordern eine sofortige Rücknahme der Baugenehmigung! – Ein Denkmal, zu dem täglich bis zu 5000 Menschen pilgern, das zu den 5 meist besuchten Stätten in Deutschland gehört, darf nicht weiter zerstört und bebaut werden. Zerstört nicht ein Weltkulturerbe.

Zitat: www.eastsidegallery-berlin.de

Bei einem Kaffee im Pirates, einem Szenelokal an der Oberbaumbrücke, beenden wir unseren Besuch der East Side Gallery und lassen die vielfältigen und widersprüchlichen Eindrücke noch einmal an uns vorüberziehen.

Kollhoff Tower am Potsdamer Platz

Kollhoff Tower am Potsdamer Platz

Der nächste Tag führt uns zum Potsdamer Platz, den ich noch als größte Baustelle Europas aus den 90er Jahren in Erinnerung habe. Heute präsentiert sich der Platz als gigantischer Architekturpark mit den drei bestimmenden Bauten: dem verglasten Atrium Tower (Bahntower), dem im Backstein-Stil ausgeführten Kollhoff-Tower und das ebenfalls im dreieckigen Grundriss errichtete Gebäude von PricewaterhouseCoopers, einer renomierten Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Das neben dem Bahntower liegende Sony Center beherbergt das sehenswerte Filmmuseum Berlin mit der Deutschen Kinemathek. Unter dem spektakulären fächerartigen Zeltdach finden sich neben der Deutschlandzentrale von Sony Angebote vor allem aus dem Gastronomie-, Unterhaltungs- und Freizeitbereich. Als Reminiszens an die Vergangenheit wurden Teile des historischen Hotels Esplanade in das Sony Center integriert. Unbedingt empfehlenswert ist eine Fahrt mit dem angeblich schnellsten Aufzug Europas auf die Dachterrasse des Kolloff-Towers. Der Ausblick ist unbeschreiblich und erlaubt eine gute Orientierung über die Umgebung des Potsdamer Platzes.

Blick vom Kollhoff Tower auf das Sony Center

Blick vom Kollhoff Tower auf das Sony Center

Ein Spaziergang von den Hackeschen Höfen (inzwischen zu gelackt und kommerziell) über die Museumsinsel zum Brandenburger Tor und den Stelen des Holocaust-Mahnmals komplettierte unseren Kurzbesuch in Berlin. Den Abend verbrachten wir dann noch im Yorckschlösschen in Kreuzberg, einer bekannten Szene- und Jazzkneipe, die leider ihr abendliches Musikprogramm der Übertragung eines WM-Spiels geopfert hatte.

Holocaust-Mahnmal

Holocaust-Mahnmal

Juli 2014

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