MERKwürdiges und DENKwürdiges aus dem Ruhrgebiet

Mallorca

Mallorcas Südosten

Das Landhotel im Herzen Mallorcas haben wir erst gefunden, nachdem uns die freundliche Tankstellenbesitzerin eine Karte zeigte, auf der das Ziel unserer Reise bereits rot markiert war. Porreres, eine verschlafene Kleinstadt, mit engen Gassen und Einbahnstraßen, konnten wir auf der großzügig angelegten Umgehungsstraße umfahren, bevor ich den Hinweis auf Sa Bassa Rotja eher zufällig auf einer Holztafel entdeckte. Noch 3 Kilometer querfeldein und vor uns öffnete sich die mit Palmen bestandene Zufahrtsstraße.

Sa Bassa Rotja

Sa Bassa Rotja

Dass wir die ersten Gäste waren, merkten wir bei der Anmeldung an der Rezeption, obwohl die Dame glaubhaft versicherte, das spätestens morgen weitere Gäste eintreffen würden. Das Zimmer im rustikalen Stil passte zu der eher gediegenen Anlage, die mit Pool und Tennisplätzen als Hotel Rural firmierte. Landwirtschaftliche Geräte, Karren und Werkzeuge, überall auf dem Gelände und in den Räumen liebevoll dekoriert, verwiesen auf die ursprüngliche Nutzung der Gebäude. Restaurant, Küche und der Wellness-Bereich waren in gesonderten Gebäuden untergebracht. Durch die dominierenden Natursteine bildete die Hotelanlage eine harmonische Ganzheit inmitten der umgebenden Weinfelder und Obstplantagen. Übrigens blieben wir in dieser Vor-Osterwoche gemeinsam mit zwei weiteren Paaren die einzigen Gäste in diesem wunderschönen Landhotel.

Von Porreres aus war der Naturstrand Es Trenc schnell zu erreichen. Die Fahrt über Campos dauerte gerade mal eine knappe halbe Stunde und schon standen wir, nachdem wir etwas unwillig die 6 Euro Parkgebühren bezahlt hatten, mit wenigen anderen Mietwagenfahrern unmittelbar vor den Dünen des in den Sommermonaten überlaufenen Strandes von Es Trenc. Der Pfad durch die Dünen war kurz und vor uns erstreckte sich kilometerweit in einem weiten Bogen von Colonia Sant Jordi bis hin zum Hafen von Sa Rapita der weiße Sandstrand.

Naturstrand von Es Trenc

Naturstrand von Es Trenc

Wir beschlossen, der Strandlinie in östlicher Richtung zu folgen und suchten den trittfesten Untergrund unmittelbar an der Wasserkante. Diese war aber ausnahmslos mit meterdickem abgestorbenem Seegras (Neptunsgras) bedeckt, so dass wir unseren Weg einige Meter landeinwärts suchen mussten. Was wir als übelriechende Strandverschmutzung empfanden, bremst nach Ansicht der Umweltexperten den Wellengang und schafft Lebensraum für Mikroorganismen, denen der feine Sand zu verdanken ist. Deshalb wird dieser „Unrat“ erst zur Hauptreisesaison weggeschafft, wenn die Touristenmassen einfallen und die wenigen Strandbuden am Es Trenc belagern. Die Bunkerruinen am Strand stammen aus der Franco-Ära, als die spanischen Faschisten aus Angst vor einer alliierten Invasion auf Mallorca zahlreiche Verteidigungsanlagen errichten ließen.

Die Siedlung Ses Covetes auf halber Strecke zum Hafen von Sa Rapita erlangte traurige Berühmtheit durch ihre in unmittelbarer Strandnähe errichteten Häuserzeilen, die seit nunmehr 15 Jahren als Bauruinen auf ihren Abriss warten. Daß die in Steinwurfnähe der Skandalruine wirtschaftende Lokalität „El ultimo paraiso“ heißt, ist verwunderlich, denn mit einem Paradies haben diese graffitigeschönten Baugerippe nun herzlich wenig zu tun.

Botanicactus

Botanicactus

Lohnenswertes Ziel in der nahen Umgebung ist der kleine Ort Ses Salines, wo im empfehlenswerten Casa Manolo Tapas, frische Fische und Meeresfrüchte auf der Speisekarte stehen. Auch das benachbarte El Teatro, im Gegensatz zum Casa Manolo durchgehend geöffnet, bietet spanische Küche zum erschwinglichen Preis. Ein Besuch im nahe gelegenen botanischen Garten mit tropischer Vegetation ist für Pflanzenliebhaber ein unbedingtes Muss, bietet Botanicactus doch 400 Pflanzen- und 12.000 Kaktusarten neben einer Sammlung mallorquinischer Flora: Oliven-, Granatapfel- und Mandelbäume, Johannisbrotbäume, Pinien, Zypressen und Eukalyptusbäume. Angeblich handelt es sich um den größten botanischen Garten Europas.

Bucht von Cala Pi

Bucht von Cala Pi

Die beiden idyllischen Buchten Cala Figuera und Cala Pi sind von Campos aus in gut 30 Minuten zu erreichen. Besonders in den Abendstunden bieten sie Möglichkeiten für ausgedehnte Spaziergänge und spektakuläre Sonnenuntergänge. Der Reiz des ehemaligen Fischerdorfes Colonia Sant Jordi hat sich uns nicht erschlossen, handelt es sich doch um eine Ansammlung älterer, zumeist heruntergewirtschafteter Hotelkomplexe, Bars und Restaurants. Vom kleinen Hafen aus fährt von Mai bis September ein Ausflugsboot  zur benachbarten Insel Cabrera, die nach jahrelangen Kämpfen mit Umweltschützern zum Nationalpark erklärt wurde. Cabrera ist der Südspitze Mallorcas vorgelagert und die größte einer sonst unbewohnten Inselgruppe.

Bildergalerie Mallorca

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