MERKwürdiges und DENKwürdiges aus dem Ruhrgebiet

Ruhrfestspiele Recklinghausen

Die Kohlenspenden der Recklinghäuser Bergleute im Winter 1946/47 für das deutsche Schauspielhaus in Hamburg waren der Anlass für ein Gastspiel von Schauspielern der Hamburger Staatsbühnen im Jahre 1947 unter dem Motto „Kunst gegen Kohle“ in Recklinghausen. Damit waren die Ruhrfestspiele geboren, die von nun an jedes Jahr von der Stadt Recklinghausen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund organisiert wurden. Während in den ersten Jahren vor allem klassische Theaterstücke und populäre Opern auf dem Programm standen, erfolgte in den 1960er und 70er Jahren eine zunehmende Politisierung der Festspiele. Die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Gewerkschaften wurden ausgeweitet und Diskussions- und Begegnungstreffen zwischen Arbeitern und Theaterleuten organisiert. Dazu kamen niedrige Eintrittspreise und der Vertrieb eines Großteils der Eintrittskarten über die Gewerkschaften.
1961 erfolgte die Grundsteinlegung für das Ruhrfestspielhaus, in dem 1965 die ersten Aufführungen stattfanden. Ein eigenes Ensemble der Ruhrfestspiele beteiligte sich mit sehenswerten Produktionen. Der Festspielleiter Hansgünther Heyme machte in den 1990er Jahren europäisches Theater, um der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Unter der Intendanz von Gérard Mortier gingen die Besucherzahlen so zurück, dass die Ruhrfestspiele in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerieten. Erst der neue Festspielleiter Frank Hoffmann schaffte 2005 einen Neuanfang, indem er mit Gotthold Ephraim Lessing und im darauf folgenden Jahr mit Shakespeare ein größeres Publikum nach Recklinghausen holen konnte.
2007 steht nun Goethe als „Initiator neuer Formen, neuer Perspektiven auf vertraute Zusammenhänge, neuer Sensibilität für erstarrte Zustände – seelische wie gesellschaftliche“ im Zentrum der Festspiele. Unter diesem geistigen Patronat versammeln sich Klassiker wie Molière oder Theatermacher wie Henning Mankell, den ich bisher nur als Autor der Wallander-Krimis kannte. Und neben dem traditionellen Kulturfest am 1. Mai gibt es eine Vielzahl von Ur- und Erstaufführungen und szenischen und musikalischen Experimenten an den unterschiedlichsten Spielorten.
Ruhrfestspiele
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